Integration und Abgrenzung in der
Apokalypse des Johannes
Thomas
Witulski Münster, 9.6.04
Ev.-Theol.
Fakultät der WWU Münster
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Münster
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Sehr verehrte Damen und Herren,
das letzte Buch des neutestamentlichen Kanons, die Apokalypse des Johannes, gibt der exegetischen Forschung nach wie vor viele Rätsel auf, die hier im Rahmen unserer Seminargruppe kaum alle angesprochen, geschweige denn erschöpfend erörtert oder gar geklärt werden können[1]. Sicher scheint allerdings zu sein, daß es dem Apokalyptiker in besonderer Weise darum geht, die von ihm angeschriebenen Gemeinden und Christen zu Standhaftigkeit und Treue in ihrem christlichen Glauben zu ermahnen. Die Christen sollen ihren christlichen Glauben rein und unverfälscht bewahren, sollen sich nicht darauf einlassen, neben dem Gott des Alten Testaments und dem Pñíßïí Christus auch noch anderen Gottheiten, hier vor allem dem zur Zeit der Abfassung der Apk amtierenden römischen Kaiser, kultische bzw. religiöse Verehrung entgegenzubringen.
Dies zeigt sich etwa in der
Analyse des Sendschreibens an die Gemeinde in Pergamon Apk 2,12–17 und
Thyateira Apk 2,18–29. Nach den lobenden Worten in Apk 2,13 setzt der
Apokalyptiker sein Sendschreiben in Apk 2,14 mit kritischen Tönen fort[2].
Konkret wirft er den pergamenischen Christen vor, daß sich in ihrer Gemeinde
Irrlehrer befinden bzw. daß die Gemeinde in ihrer Mitte Irrlehrer duldet[3]. Die
von den Irrlehrern vertretene Lehre und Verkündigung bezeichnet er im Rahmen
ihrer inhaltlichen Charakterisierung zunächst näherhin als äéäá÷x
ÂáëáÜì Apk 2,14[4], um sie dann
unter Verwendung der komparativen Adverbien ïœôùò und ¿ìïßùò in Apk 2,15 mit
der äéäá÷x Íéêïëáúô§í zu
identifizieren[5]. Das bedeutet,
daß sich die Begriffe äéäá÷x ÂáëáÜì und äéäá÷x Íéêïëáúô§í letzten
Endes auf ein- und dieselbe Irrlehre beziehen. Offensichtlich wollte der
Apokalyptiker den wesentlichen und entscheidenden Inhalt der aktuell in
Pergamon virulenten Irrlehre durch einen Verweis auf die alttestamentliche
Gestalt des Propheten Bileam schlaglichtartig beleuchten[6].
Damit legt sich zugleich die
Annahme nahe, daß es sich bei den Anhängern der äéäá÷x ÂáëáÜì und den
Anhängern der äéäá÷x Íéêïëáúô§í um ein-
und denselben Personenkreis handelt[7]. Dafür spricht
insbesondere die Verwendung des Singulars ÂáëáÜì Apk 2,14, der im Unterschied zu dem in Apk 2,15 verwendeten
Plural Íéêïëáúô§í darauf
schließen läßt, daß es sich bei der äéäá÷x ÂáëáÜì nur um die von
Bileam selbst zur Zeit der Wüstenwanderung des Volkes Israel propagierte äéäá÷Þ
handelt. Zur Zeit der Abfassung der Apk hingegen wird diese äéäá÷x
ÂáëáÜì als äéäá÷x Íéêïëáúô§í von eben dieser Gruppe
verfochten[8].
Die in den Augen des
Apokalyptikers zu verwerfende äéäá÷x ÂáëáÜì, das dem Propheten Bileam vorzuwerfende Fehlverhalten
bestand nach Num 25,1–3; 31,16[9] darin, das Volk
Israel zum Abfall vom Gott der Väter und dem von ihm gestifteten Gesetz und zur
Anbetung moabitischer bzw. midianitischer Gottheiten[10] zu
verführen und es somit zum Götzendienst anzustiften[11]. Mit dem Terminus öáãåsí åkäùëüèõôá, mit dem der Apokalyptiker in
Apk 2,14 in gleicher Weise wie mit Ausdruck ðïñíå™óáé unmittelbar zunächst die äéäá÷x ÂáëáÜì und erst durch die Apk 2,15 nachklappende Parallelisierung[12]
mittelbar dann auch äéäá÷x Íéêïëáúô§í
charakterisiert[13], spielt er wohl
auf den Num 25,2b geäußerten Vorwurf êár höáãåí ¿ ëá’ò ô§í èõóé§í ášô§í an. Bei
diesen èõóßá, die hier von den Israeliten in
einer gemeinsamen kultischen Mahlzeit mit den Moabitern bzw. Midianitern
verzehrt werden, handelt es sich nach Num 25,2a um Opferfleisch, das
zuvor den moabitischen bzw. midianitischen Gottheiten im Rahmen einer
Opferhandlung dargebracht worden ist[14]. Naheliegend
ist, daß das Verbum ðïñíå™óáé, das in
Apk 2,14, verknüpft mit der Konjunktion êáß, auf die Wendung öáãåsí åkäùëüèõôá folgt, dann auf die an Num 25,2b unmittelbar
anschließende Äußerung Num 25,2c êár ðñïóåêýíçóáí ôïsò åkäþëïéò
ášôþí zu beziehen ist. Das aber bedeutet, daß der Terminus ðïñíå™óáé vom Apokalyptiker in Apk 2,14 in metaphorischem Sinne
verwendet worden ist und die Anbetung anderer, heidnischer Gottheiten und den
damit einhergehenden Abfall vom Gott des Alten Testaments bezeichnen soll[15].
In der späteren Auslegung von Num 31,16; 25,1–3 wird die Num 25,1
dargestellte ðïñíåßá vielfach als ein von den èõãáôÝñåò
Ìùáâ
eingesetztes Mittel betrachtet, durch das das eigentliche Ziel, die Untreue der
Israeliten gegenüber dem Gott ihrer Väter und die Anbetung moabitischer bzw. midianitischer
Gottheiten erreicht werden sollte. So beschreibt der alexandrinische Philosoph
Philon das Verhalten Bileams als Verführung der Israeliten zur Verehrung eines fremden Gottes
und damit zum Abfall vom Gott der Väter und von der aus dieser Bindung Israels
an den Gott der Väter resultierenden „Jewish way of life“[16] insgesamt. Dabei
charakterisiert er die Bereitschaft der moabitischen Prostituierten zur ðïñíåßá eben als verführerisches
Lockmittel, mit dessen Hilfe dieses Ziel erreicht werden soll: êár
ôyò äåîéOò ëáâüìåíïò ìüíïò ìüív óõíåâïýëåõå [Bileam dem Moabiterkönig Balak],
äéE ®í, ©ò Uí ïpüí ôå ‘, öõëÜîåôáé ô’í Píôßðáëïí óôñáôüí, PóÝâçìá êáôçãïñ§í
ášôï™ ìÝãéóôïí. ôß ãNñ, ånðïé ôéò Tí,
käéÜæåéò êár óõìâïõëåýåéò ôNí díáíôßá ôïsò ÷ñçóìïsò ›ðïôéèÝìåíïò, åk ìx Tñá ô§í
ëïãßùí (295)
áj óár âïõëár äõíáôþôåñáé; öÝñå äEï¤í êár ôNò êáëNò ášôï™ ðáñáéíÝóåéò
dîåôÜóùìåí, ©ò ôåôå÷íéôåõìÝíáé ðñ’ò ¿ìïëïãïõìÝíçí ‚ôôáí ô§í Pår íéêOí
äõíáìÝíùí. åkä¦ò ãNñ FÅâñáßïéò ìßáí ¿ä’í Pëþóåùò ðáñáíïìßáí, äéN ëáãíåßáò êár
Pêïëáóßáò, ìåãÜëïõ êáêï™, ðñ’ò ìåsæïí (296) êáêüí, PóÝâåéáí, Tãåéí
ášôï˜ò dóðïýäáóåí ½äïíxí äÝëåáñ ðñïèåßò. ‚åkór‘ ãNñ åqðåí ‚áj dã÷þñéïé ãõíásêåò, ¯
âáóéëå™, äéáöÝñïõóáé ôxí –øéí eôÝñùí.
Píxñ äEïšäåír ìOëëïí åšÜëùôïò ~ ãõíáéê’ò åšìïñößu. ôásò ï¤í ðåñéêáëëåóôÜôáéò
dNí dðéôñÝøwò ìéóèáñíåsí êár äçìïóéåýåéí, Pãêéóôñåýóïíôáé (297) ôxí íåüôçôá ô§í
PíôéðÜëùí. ›öçãçôÝïí äc ášôásò, ìx åšè˜ò dìðáñÝ÷åóèáé ôïsò dèÝëïõóé ôxí ªñáí. ¿
ãNñ Pêêéóì’ò ›ðïêíßæùí ôNò ¿ñìNò dðåãåßñåé ìOëëïí êár ôï˜ò hñùôáò PíáöëÝãåé.
ôñá÷çëéæüìåíïé äc (298) ôásò dðéèõìßáéò ðÜíèE ›ðïìåíï™óé äñOí ôå êár ðÜó÷åéí.
ðñ’ò äc ô’í ïœôù äéáêåßìåíïí dñáóôxí ëåãÝôù | öñõáôôïìÝíç ôéò ô§í dðr ôxí èÞñáí PëåéöïìÝíùí‘. ‚ïš
èÝìéò ¿ìéëßáò óïé ôyò dìyò Pðïëá™óáé, ðñrí Uí dêäéáéôçè†ò ìcí ôN ðÜôñéá,
ìåôáâáë¦í äc ôéìÞówò Rðåñ dãþ. ðßóôéò äÝ ìïé ôyò âåâáßïõ ìåôáâïëyò ãÝíïéôE Uí
Pñßäçëïò, ~í dèåëÞówò ìåôáó÷åsí ô§í ášô§í óðïíä§í ôå êár èõóé§í, Sò PãÜëìáóé
êár îïÜíïéò êár (299) ôïsò ëïéðïsò Pöéäñýìáóéí dðéôåëï™ìåí‘ [!]. ‚¿
äE Rôå óáãçíåõèårò ðÜãáéò ðïëõåéäÝóé, êÜëëåé êár óôùìõëßáò ÷åéñáãùãßáéò, ïšäcí
Píôåéðþí, dîçãêùíéóìÝíïò ô’í ëïãéóìüí, Tèëéïò ›ðçñåôÞóåé ôïsò ðñïóôáôôïìÝíïéò,
Píáãñáöårò ôï™ ðÜèïõò äï™ëïò‘[17]. Auch der jüdische
Historiograph Josephus stellt das Verhalten Bileams als Verführung der
Israeliten zur Verehrung fremder Gottheiten und zur Untreue gegenüber dem Gott
der Väter und den aus der Gemeinschaft mit dem Vätergott sich ergebenden und
ihr Leben prägenden Grunddata dar. Auch ihm zufolge sollen die moabitischen
Prostituierten, um dieses Ziel zu erreichen, die von ihnen deutlich
signalisierte Bereitschaft zur ðïñíåßá als entsprechendes Lockmittel einsetzen: ÂÜëáêïò
äc PãáíáêôÞóáò dðr ô² ìx êáôáñÜôïõò ãåíÝóèáé ôï˜ò EÉóñáçëßôáò PðïðÝìðåé ô’í
ÂÜëáìïí ìçäåìéOò ôéìyò Pîéþóáò. ¿
äc Pðé¦í }äç êPðr ô² ðåñáéï™í ô’í ÅšöñÜôçí ãåíüìåíïò ôüí ôå ÂÜëáêïí
ìåôáðåìøÜìåíïò êár ôï˜ò Tñ÷ïíôáò ô§í Ìáäéçíéô§í (127) ÂáëáêÝ, öçóß, êár
Ìáäéçíéô§í ïj ðáñüíôåò, ÷ñx ãNñ êár ðáñN âïýëçóéí ôï™ èåï™ ÷áñßóáóèáé ›ìsí, ô’
ìcí FÅâñáßùí ãÝíïò ïšê Uí –ëåèñïò ðáíôåëxò êáôáëÜâïé, ï¡ôE dí ëïéì² êár óðÜíåé
ô§í Pð’ ãyò êáñð§í, ï¡ôE Tëëç ôéò ákôßá ðáñÜëïãïò (128) äéáöèåßñåéåí. ðñüíïéá
ãÜñ dóôéí ášô§í ô² èå² óþæåéí Pð’ ðáíô’ò êáêï™ êár ìçäcí dðE ášôï˜ò dOóáé
ôïéï™ôïí ðÜèïò dëèåsí, ›öE ï£ êUí Pðüëïéíôï ðÜôåò.
óõìðÝóïé äE ášôïsò “ëßãá ôå êár ðñ’ò “ëßãïí, ›öE ®í ôáðåéíï™óèáé äïêï™íôåò åqôE
PíèÞóïõóéí dðr (129) öüâv ô§í dðáãáãüíôùí ášôïsò ôNò âëÜâáò. ›ìåsò äE åk
íßêçí ôéíN âñá÷˜í êáéñ’í êáôE ášô§í êåñäOíáé ðïèåsôå, ôý÷ïéôE Uí ášôyò ôá™ôá
ðïéÞóáíôåò. ô§í èõãáôÝñùí ôNò ìÜëéóôá
åšðñåðåsò êár âéÜóáóèáé êár íéêyóáé ôxí ô§í ¿ñþíôùí óùöñïóýíçí jêáíNò äéN ô’
êÜëëïò PóêÞóáíôåò ôxí åšìïñößáí ášô§í dðr ô’ ìOëëïí åšðñåðcò ðÝìøáôå ðëçóßïí
dóïìÝíáò ôï™ dêåßíùí óôñáôïðÝäïõ, êár äåïìÝíïéò (130) óõíåsíáé ôïsò íåáíßáéò
ášô§í ðñïóôÜîáôå. dðåéäNí äc êå÷åéñùìÝíïõò ¿ñ§óé ôásò dðéèõìßáéò, êáôáëéðÝôùóáí
êár ðáñáêáëïýíôùí ìÝíåéí ìx ðñüôåñïí dðéíåõÝôùóáí, ðñrí Uí ðåßóùóéí ášôï˜ò
PöÝíôáò ôï˜ò ðáôñßïõò íüìïõò êár ô’í ôïýôïõò ášôïsò èÝìåíïí ôéìOí èå’í ôï˜ò
Ìáäéçíéô§í êár Ìùáâéô§í óÝâùóéí [!].
ïœôùò ãNñ ášôïsò ô’í èå’í “ñãéóèÞóåóèáé.‘ Êár ¿ ìcí ôï™èE ›ðïèÝìåíïõò ášôïsò ÷åôï[18]. Eine den Interpretationen
Philons und Josephus’ entsprechende Auslegung dieser Passage begegnet auch bei
Origenes, hom.
in Num.
Dabei identifiziert der Kirchenvater die bei Philon und Josephus ungenannt
bleibenden heidnischen Gottheiten konkret mit der Gottheit rwœ[p
l[b/Âååëöåãùñ: Ex hoc ergo apparet quod
nequitia usus sit Balaam et consilium dederit regi, talia quaedam dicens ad
eum: populus hic non propriis viribus, sed Deum colendo vincit et pudicitiam
conservando. Si vis eum vincere, primo eorum pudicitiam deice, et sponte
vincentur. Sed adversum haec non virtute militum, sed mulierum decore pugnandum
est, nec armatorum rigore, sed mollitie feminarum. Procul hinc procul amove
armtorum manum et electam congrega speciem puellarum, ludentes pedibus eant
manibusque plaudentes; forma vincit armatos, ferrum pulchritudo captivat,
vincentur ad speciem, qui non vincuntur ad proelium. Verum ubi senserint eos
mulieres Moabitae manus dedisse libidini et peccato inclinasse cervices, non
prius semet ipsas cupientibus praebeant quam de sacrificiis idolorum
acquieverint degustare, ut cogente libidine consiliis obtemperent feminarum et
consecrentur prius Beelphegor, quod est idolum turpitudinis. Haec fuerunt
consilia Balaam; quibus acceptis rex Balach parat continuo exercitum non armis
virilibus, sed femineo nitore compositum, non furore bellico, sed libidinis
flamma succensum[19]. Das eigentliche Ziel der äéäá÷x ÂáëáÜì bestand sowohl nach Philon als
auch nach Josephus und nach Origenes nicht darin, die Israeliten zur ðïñíåßá mit den èõãáôÝñåò
Ìùáâ, sondern
zur Verehrung heidnischer Gottheiten und damit zum Abfall vom Gott des Alten
Testaments zu bewegen. Auf diesem Hintergrund legt sich die Annahme nahe, daß
auch der Apokalyptiker dieses als das Ziel der von ihm angesprochenen äéäá÷x ÂáëáÜì ansah.
Im Blick auf den zentralen
Impetus der äéäá÷x Íéêïëáúô§í, die in
der pergamenischen Gemeinde zur Zeit der Abfassung der Apk aktuell virulent ist
und die der Apokalyptiker in Apk 2,15 mit der äéäá÷x ÂáëáÜì parallelisiert, folgt daraus: Die innerhalb der pergamenischen
Gemeinde[20] zu lokalisierenden Anhänger der äéäá÷x Íéêïëáúô§í haben anscheinend – so jedenfalls der Vorwurf des
Apokalyptikers – versucht[21], die
Ausschließlichkeit der christlichen Verehrung des einen Gottes des Alten
Testaments und seines Pñíßïí Christus aufzuweichen und eine größere
Offenheit für eine Beteiligung an der Verehrung heidnischer Gottheiten zu
erwirken[22]. Daraus
ergibt sich für des Verständnis der
Termini öáãåsí åkäùëüèõôá und ðïñíå™óáé als Schlagworte zur Charakterisierung
der aktuell in der pergamenischen Gemeinde virulenten äéäá÷x Íéêïëáúô§í: Die Annahme, daß der Apokalyptiker mit diesen
Begriffen auf eine etwa durch den Kauf von Götzenopferfleisch auf dem Markt
lediglich indirekt[23] und unbewußt
erfolgte Beteiligung an der kultisch-religiösen Verehrung heidnischer
Gottheiten abheben[24] will, ist kaum
wahrscheinlich zu machen. Weitaus näherliegend ist hingegen, daß es ihm hier um
die bewußte und unmittelbare Teilnahme an den entsprechenden (Kult-)
Veranstaltungen geht. Mit dem Ausdruck öáãåsí
åkäùëüèõôá hebt er entweder auf die Partizipiation von Christen an
heidnisch-religiösen (Kult-)Veranstaltungen, Kultmahlen und Festlichkeiten im
allgemeinen[25], oder aber auf
ihre Beteiligung solchen (Kult-)Veranstaltungen, innerhalb derer auch
öffentlich verteiltes Götzenopferfleisch verzehrt worden ist[26], ab[27]. Mit
dem Begriff ðïñíå™óáé will er
metaphorisch auf eine von den Anhängern der äéäá÷x Íéêïëáúô§í neben der Verehrung des Gottes des Alten Testaments
und seines Pñíßïí Christus praktizierten Verehrung heidnischer
Gottheiten verweisen[28]. Das entspricht
durchaus auch dem alttestamentlichen Sprachgebrauch und der bereits dort
vorliegenden metaphorischen Verwendung des Begriffs ðïñíåßá
êôë.[29]. Im Rahmen
dieser Erklärung stellt das öáãåsí
åkäùëüèõôá als Teilnahme an heidnisch-religiösen
(Kult-)Veranstaltungen einen Teilaspekt des auf die Praxis heidnischer
Gottesverehrung insgesamt abzielenden Vorwurfs der ðïñíåßá dar[30].
Nach D.E. Aune sind im Blick auf das Verständnis des Begriffs öáãåsí åkäùëüèõôá vier Möglichkeiten
denkbar[31]: (a) die
Teilnahme an einer sakralen Mahlzeit im Tempel, (b) der Verzehr von
Götzenopferfleisch, das während öffentlicher, religiös motivierter
Festlichkeiten verteilt worden ist, (c) der Kauf von Götzenopferfleisch auf dem
Markt, und (d) die Teilnahme an einer von einem Verein oder einer Gilde im
Rahmen der in dieser Corporation praktizierten religiösen Verehrung
abgehaltenen Mahlzeit[32]. Dem steht entgegen, daß
der Apokalyptiker den Begriff öáãåsí
åkäùëüèõôá einerseits auf die aus Num 31,16; 25,1–3 erhebbare äéäá÷x ÂáëáÜì, andererseits auf die in der
Gegenwart des Apokalyptikers virulente äéäá÷x Íéêïëáúô§í bezieht. Dies legt die Annahme nahe, daß er bei
der Verwendung des Terminus öáãåsí
åkäùëüèõôá nicht an den Verzehr von auf dem Markt feilgebotenen
Fleisch, das zuvor in heidnischen Gottheiten gewidmeten Opferritualen
Verwendung gefunden hat, sondern an den Verzehr von Götzenopferfleisch
innerhalb öffentlicher, heidnischen Gottheiten gewidmeten Feierlichkeiten dachte[33].
Die in der Forschung verschiedentlich vertretene Ansicht, die beiden
Ausdrücke öáãåsí åkäùëüèõôá und ðïñíå™óáé Apk
2,14.20 seien als bewußt formulierte sachliche Parallele zu den innerhalb des
sog. Aposteldekrets Apg 15,20.28f. fixierten und an Heidenchristen gerichtete
Minimalforderungen für das Zusammenleben mit Judenchristen in einer Gemeinde zu
verstehen[34], läßt sich angesichts der o. vorgelegten Deutung der beiden Begriffe nicht
wahrscheinlich machen[35]. Auch die in diesem Zusammenhang immer wieder postulierte inhaltlichen
Parallelität des vom Apokalyptiker in Apk 2,24 verwendete Terminus âÜñïò mit dem von Lukas in Apg 15,28 gebrauchten âÜñïò-Begriff läßt sich nicht
erweisen[36]. Gegen die Annahme einer sachlichen Parallelität der Termini öáãåsí åkäùëüèõôá und ðïñíå™óáé Apk 2,14.20 mit den
entsprechenden Ausführungen Apg 15,20.28f. spricht jedoch, daß die Problemlage
jeweils eine andere ist: Geht es in Apg 15 um das Zusammenleben von
Judenchristen und Heidenchristen in einer Gemeinde, steht in Apk 2,14.20 die
Frage des Verhältnisses der Christen zu ihrer heidnischen Umwelt, hier konkret
zur Praxis der kultisch-religiösen Verehrung des amtierenden römischen Kaisers,
im Hintergrund[37].
Die o. diskutierte Interpretation der Termini öáãåsí åkäùëüèõôá und ðïñíå™óáé[38] gibt keinesfalls notwendigerweise Anlaß zu der Annahme, daß der
Apokalyptiker in der äéäá÷x Íéêïëáúô§í eine zu weit gehende Anpassung zumindest eines Teils der pergamenischen
Christen an ihre heidnisch geprägte Umwelt insgessamt erblickte, und daß es
sich bei den Nikolaiten und ihren Anhängern um Christen handelte, die eine
größere ethische Freizügigkeit bis hin zu der theologischen Möglichkeit einer
weitgehenden Anpassung der Christen an die sie umgebende und heidnisch geprägte
ðüëéò-Gesellschaft insgesamt verkündigten und
praktizierten[39]. Vielmehr gibt der von ihm deutlich akzentuierte Aufweis der Parallelität
der äéäá÷x Íéêïëáúô§í mit der äéäá÷Þ ÂáëáÜì, einer
alttestamentlichen Figur, die das Volk Israel zur Verehrung fremder Götter
verführte bzw. verführen ließ, zu der Vermutung Anlaß, daß hinter der äéäá÷x Íéêïëáúô§í Glieder der
pergamenischen Gemeinde standen, die sich für eine die christliche
Gottesverehrung ergänzende kultisch-religiöse Verehrung anderer, heidnischer
Gottheiten stark machten[40].
Inwieweit nun die vom Apokalyptiker bekämpften Irrlehrer als Vertreter
eines radikalisierten Paulinismus[41] oder eines „aufgeklärten Skeptizismus, der zu allen Zeiten das verwarf,
was er als ‚mythologisch‘ oder ‚ritualistisch‘ ansah“[42], oder einer frühen Gnosis[43] anzusehen sind, läßt sich aufgrund der in Apk 2,12–17 vorliegenden, über
die Motive der Irrlehrer keinerlei Auskunft gebenden Angaben kaum sicher
ausmachen. Auch der Hinweis, daß die mit den pergamenischen Nikolaiten
zumindest zu parallelisierende, in Thyateira wirkende Gruppe um die Prophetin EÉåæÜâåë[44] offensichtlich von sich
behauptet, daß sie hãíùóáí ôN âáèÝá ôï™ óáôáíO (Apk 2,27)[45], läßt angesichts der Knappheit dieser Formulierung keinen sicheren Schluß
auf den geistesgeschichtlichen bzw. theologischen Hintergrund der in Apk 2f.
bekämpften Irrlehrer zu. Die Äußerungen der Kirchenväter über die nikolaitische
Irrlehre sind im Blick auf ihre theologiegeschichtliche Einordnung dabei nur
wenig hilfreich[46].
Der Apokalyptiker fordert die
pergamenischen Christen auf umzukehren, d.h. die bis zu diesem Zeitpunkt
offensichtlich praktizierte Duldung der Nikolaiten in der Gemeinde aufzugeben
und die äéäá÷x Íéêïëáúô§í und
ihre Vertreter aktiv zu bekämpfen[47]. Wer diesem
Bußruf nicht Folge leistet, wird mit dem Tod bestraft, wobei in der Wendung ìåôE ášô§í Apk
2,16 sowohl auf die Anhänger als auch auf die Dulder der äéäá÷x Íéêïëáúô§í zurückverwiesen wird[48].
Das Sendschreiben an die Gemeinde in Pergamon schließt mit den in allen Sendschreiben vorhandenen Rahmenelementen „Weckruf“ und „Überwinderspruch“[49]. Diejenigen, die treu an ihrem Glauben an Gott und an das Pñíßïí Christus festhalten und sie nicht verleugnen, erhalten in der Heilszeit das bis dato offensichtlich verborgene Manna[50] und eine øyöïò ëåõêÞ, auf der ein –íïìá êáéí’í, das nur demjenigen, der diesen Stein jeweils empfangen wird, bekannt ist, geschrieben steht.
Nach der Eröffnung seines Sendschreibens an die christliche Gemeinde von Thyateira mit den stereotyp verwendeten Rahmenelementen „Schreibbefehl“ und „Botenformel“[51] kommt der Apokalyptiker auf die Situation in der thyateirischen Gemeinde zu sprechen[52]. In Apk 2,19 lobt er zunächst das Verhalten[53] der Christen Thyateiras, konkret ihre Liebe zu Gott und zu ihren Mitmenschen, ihre Glaubenstreue[54], ihre Bereitschaft zum Dienst am Nächsten[55] und ihre Geduld[56]. Dabei habe sich ihr Verhalten im Unterschied zu demjenigen der Christen in Ephesus (Apk 2,4f.) je länger je mehr verbessert[57].
Im
Anschluß an diese captatio benevolentiae[58]
erhebt der Apokalyptiker dann aber massive Vorwürfe gegen die Gemeinde. Im
wesentlichen kritisiert er, daß die thyateirischen Christen in ihrer Mitte eine
EÉåæÜâåë[59]
genannte Frau dulden, die sich selbst als Prophetin bezeichnet und die
Gemeindeglieder zu Hurerei (ðïñíå™óáé) und dem Essen von Götzenopferfleisch (öáãåsí åkäùëüèõôá)
verführt (Apk 2,20). Mit ihrem Verhalten entspricht sie offensichtlich den in
Pergamon wirkenden Nikolaiten[60].
Nach 1Kön 16,31–34; 21,25f.; 2Kön 9,22 bestand die Sünde der israelitischen
Königin Isebel im wesentlichen darin, in Israel den Kult und die Verehrung des
Gottes l[b/Âááë und anderer heidnischer Gottheiten einzuführen und zu fördern[61].
Daher legt sich die Annahme nahe, daß, wie schon in Apk 2,14, so auch hier in
Apk 2,20 die in ihrer Reihenfolge offensichtlich austauschbaren[62]
Begriffe ðïñíå™óáé und öáãåsí åkäùëüèõôá eher metaphorisch und inklusiv als „gleichsinnige Metaphern für den
Abfall vom wahren Glauben“[63]
zu interpretieren sind[64].
Der Ausdruck öáãåsí
åkäùëüèõôá bezieht sich in diesem Zusammenhang auf die
Teilnahme an heidnisch-religiösen (Kult-)Veranstaltungen, Kultmahlen und
Festivitäten. Mit dem Begriff ðïñíå™óáé spielt der Apokalyptiker auf eine neben der Verehrung des Gottes des
Alten Testaments und seines Pñíßïí
Christus praktizierte Verehrung heidnischer Gottheiten an[65].
In Aufnahme der alttestamentlichen Darstellungen berichtet auch der Historiograph
Josephus, daß das gottwidrige Verhalten der Königin Isebel vor allem darin
bestand, in Israel die Verehrung eines fremden Gottes einzuführen,: FÏ äc IÁ÷áâïò ¿ ô§í EÉóñáçëéô§í âáóéëå˜ò êáô°êåé ìcí dí
Óáìáñåßu, ôxí äE Pñ÷xí êáôÝó÷åí fùò dô§í ånêïóé êár äýï ìçäcí êáéíßóáò ô§í ðñ’
ášôï™ âáóéëÝùí, åk ìz ”óá ãå ðñ’ò ô’ ÷åsñïí êáèE ›ðåñâïëxí ðïíçñßáò dðåíüçóåí,
Rðáíôá äE ášô§í ôN êáêïõñãÞìáôá êár ôxí ðñ’ò ô’ èåsïí œâñéí dêìéìçóÜìåíïò êár
ìÜëéóôá ôxí FÉåñïâïÜìïõ æçëþóáò ðáñáíïìßáí. (317) êár ãNñ ï£ôïò ôNò
äáìÜëåéò ôNò ›ðE dêåßíïõ êáôáóêåõáóèåßóáò ðñïóåêýíçóå êár ôïýôïéò Tëëá ðáñÜäïîá
ðñïóåìç÷áíÞóáôï. hãçìå äc ãõíásêá èõãáôÝñá ìcí ÅkèùâÜëïõ ôï™ Ôõñßùí êár
Óéäùíßùí âáóéëÝùò EÉåæáâÝëçí äc –íïìá, PöE ‚ò ôï˜ò käßïõò ášôyò èåï˜ò
ðñïóêõíåsí hìáèåí. (318) ƒí äc ô’ ãýíáéïí äñáóôÞñéïí ôå êár ðïëìçñüí, åkò ôïóáýôçí
äE PóÝëãåéáí êár ìáíßáí ðñïýðåóåí, ªóôå êár íá’í Ôõñßùí èå² •í Âåëßáí
ðñïóáãïñåýïõóéí ³êïäüìçóå êár Tëóïò ðáíôïßùí äÝíäñùí êáôåöýôåõóå.
êáôÝóôçóå äc êár jåñåsò êár øåõäïðñïöÞôáò ôïýôv ô² èå². êár ášô’ò äE
¿ âáóéëå˜ò ðïëëï˜ò ôïéïýôïõò ðåñr ášô’í åq÷åí Píïßu êár ðïíçñßu ðÜíôáò
›ðåñâåâëçê¦ò ôï˜ò ðñ’ ášôï™[66].
Nach Apk 2,21 ließ die mit der israelitischen Königin EÉåæÜâåë ineins gesetzte Prophetin eine ihr vom Pñíßïí Christus gewährte Zeit zur Umkehr und zur Abkehr von der von ihr
betriebenen ðïñíåßá offensichtlich ganz bewußt ohne jegliches Zeichen der Bereitschaft zur Buße
verstreichen[67]. Bemerkenswert ist, daß hier die von der Figur der EÉåæÜâåë verkündigte und praktizierte Irrlehre unter Weglassung des Terminus öáãåsí
åkäùëüèõôá nur noch mit dem Begriff ðïñíåßá/ðïñíå™óáé bezeichnet wird. Dies spricht
dafür, daß es sich bei dem Tun des öáãåsí åkäùëüèõôá allenfalls um einen
Teilaspekt der insgesamt mit dem Begriff ðïñíå™óáé zu umschreibenden Irrlehre der EÉåæÜâåë handeln kann. Die Verfehlung dieser Prophetin besteht also im wesentlichen
darin, zur ðïñíåßá und zum Tun des ðïñíå™óáé, d.h. zur Verehrung eines anderen als des Gottes des Alten Testaments[68], aufgerufen und dies auch selbst praktiziert zu haben.
In Apk 2,22f. kommt das Pñíßïí Christus auf die
Strafen zu sprechen, die die Prophetin EÉåæÜâåë, diejenigen, die mit ihr die Ehe brechen[69], und ihre Kinder, d.h. ihre Anhänger insgesamt[70], ereilen, wenn sie sich nicht von den hñãá der EÉåæÜâåë abwenden und zu der ausschließlichen Verehrung des Gottes des Alten
Testaments zurückkehren. Dabei wird die Verführerin selbst åkò
êëßíçí[71] geworfen, d.h. mit Krankheit geschlagen[72], ihre Anhänger werden Bedrängnisse erleben und den Tod erleiden müssen[73]. Diese in der bestehenden Weltzeit sich ereignende[74] Bestrafung der EÉåæÜâåë und
ihrer Anhänger durch das Pñíßïí Christus dient den
Gemeinden[75] Apk 2,23bc zufolge zugleich als Nachweis seiner Funktion im eschatologischen
Gericht am Ende der Zeit[76].
Ob hier die der EÉåæÜâåë und
ihren Anhängern verheißenen Strafen des âáëëåsí åkò êëßíçí, der èëßøéò ìåãÜëç und des Pðïêôåßíåéí dí èáíÜôv über
ihre konkreten Implikationen hinaus in metaphorischem Sinne zu verstehen sind
und sich auf den Ausschluß aus der Gemeinschaft mit Gott und dem Pñíßïí Christus beziehen[77], muß, da es sich bei ihnen um
zeitliche und nicht um endzeitliche Strafen handelt, dahingestellt bleiben.
Wahrscheinlicher ist, daß hier ganz konkrete Strafen, d.h. insbesondere
körperliche Leiden und Drangsale, gemeint sind, die EÉåæÜâåë und diejenigen, die ihrer Lehre und ihrer Lebenspraxis folgen, in der Gegenwart
der Abfassung der Apk treffen werden[78].
In Apk 2,24 wendet sich das durch
den Apokalyptiker redende Pñíßïí Christus denjenigen Christen in Thyateira zu, die der
Prophetin EÉåæÜâåë
(noch) nicht verfallen sind, die die von ihr verkündigte und praktizierte äéäá÷Þ (noch) nicht angenommen haben. Ihnen
soll kein weiteres âÜñïò auferlegt werden; sie sollen lediglich das, was sie in der
Vergangenheit als Glaubensgrundlagen erkannt haben und in der Gegenwart der Abfassung
der Apk in ihrem praktischen Lebensvollzug zum Ausdruck bringen,
bis zur Wiederkunft Christi bewahren[79].
Ob mit dem Begriff âÜñïò auf die Bestimmungen des Aposteldekrets Apg 15,28f.
angespielt und auf die dort festgelegten, für das Zusammenleben von Juden- und
Heidenchristen in einer Gemeinde konzipierten Richtlinien Bezug genommen werden
sollte[80], läßt sich lediglich
aufgrund der sprachlichen Parallelität von Apk 2,24 zu Apg 15,28 nicht erweisen[81]. Dieser Bezug wäre hier
ganz unvermittelt und ohne jeglichen Hinweis für die Leser konstruiert worden.
Vor dem Hintergrund der in Apk 2,22f. angekündigten Strafen für die Prophetin EÉåæÜâåë und ihre Anhänger liegt
hier die Annahme näher, die Formulierung ïš âÜëëù döE ›ìOò Tëëï
âÜñïò
dahingehend zu deuten, daß das Pñíßïí Christus denen, die den rechten Glauben treu bewahrt
haben, im Gegensatz zu jenen keinerlei Strafe bzw. Belastung
auferlegen will. Die für das Substantiv âÜñïò belegte Bedeutung „grief, misery“[82] macht es durchaus möglich, dieses als Kontrastbegriff zu den in Apk 2,22
genannten Formulierungen bzw. Termini âáëëåsí åkò êëßíçí und
èëßøéò ìåãÜëç zu interpretieren.
Gegen die Annahme, daß der Apokalyptiker mit der Formulierung
(ïšê)
hãíùóáí ôN âáèÝá ôï™ óáôáíO ©ò ëÝãïõóéí Apk 2,24 in negativer Form die positive Aussage
der EÉåæÜâåë und ihrer Gefolgsleute, sie hätten die Tiefen Gottes erkannt[83], aufnimmt, spricht die
Verwendung des Terminus óáôáíOò in der Apk. Insbesondere in Apk 12,8;
20,2.7–10, darüber hinaus aber auch in Apk 2,9.13; 3,9 wird dieser so eindeutig auf den Widersacher
Gottes und seines Pñíßïí Christus bezogen, daß kaum denkbar erscheint, daß der
Apokalyptiker ihn in Apk 2,24 als (möglicherweise ironisierendes) Synonym für
Gott verwendet hat[84]. Vielmehr ist insbesondere aufgrund
des in Apk 2,24 begegnenden Hinweises ©ò ëÝãïõóéí, der die Aussage hãíùóáí ôN
âáèÝá ôï™ óáôáíO als
ein Schlagwort der Gegner kennzeichnet[85],
davon auszugehen, daß er mit dieser in Apk 2,24 verwendeten Formulierung die äéäá÷Þ der von ihm bekämpften
Irrlehrer wiedergibt. Sie behaupteten offensichtlich, die Tiefen, d.h. die grundlegende
religiöse Relevanz und die theologische Bedeutung des Widersachers Gottes[86],
erkannt zu haben[87].
Dem widerspricht auch die von H. Kraft formulierte Erwägung, daß die Nikolaiten bzw. die Prophetin EÉåæÜâåë und ihre Anhänger als Gnostiker ernstgenommen werden müßten und sich die von ihnen behauptete ãíþóéò der âáèÝá ôï™ óáôáíO daher nur auf Gotteserkenntnis bezogen haben könne[88], nicht. Einerseits ist, wie Kraft selbst einräumt, nicht erwiesen, daß es sich bei den in dem Sendschreiben an die thyateirische Gemeinde kritisierten Irrlehrern um Gnostiker handelt[89]. Andererseits wird das „gnostische. Pathos“ genauso ernstgenommen, wenn unterstellt wird, die Formulierung âáèÝá ôï™ óáôáíO beziehe sich auf die theologische Erkenntis der (soteriologischen) Nichtigkeit der heidnischen Gottheiten.
Angesichts der o. im Blick auf Apk 2,13 vertretenen Identifikation der Gestalt des óáôáíOò mit der obersten griechischen Gottheit Æåýò [90] ist davon auszugehen, daß dieser Gott auch innerhalb der äéäá÷Þ und der religiösen Praxis der Prophetin EÉåæÜâåë und ihrer Gefolgsleute eine wichtige Rolle spielt. Offensichtlich beteiligten sich EÉåæÜâåë und ihre Anhänger in Thyateira an der Verehrung des Æåýò oder einer mit ihm assimilierten bzw. identifizierten Gottheit.
Auf der Grundlage dieser Interpretation ergeben sich
im Blick auf die von EÉåæÜâåë und ihren Anhängern verkündete äéäá÷Þ und das daraus resultierende
und von ihnen praktizierte Verhalten, das der Apokalyptiker mit den Termini öáãåsí
åkäùëüèõôá und ðïñíå™óáé/ðïñíåßá umschreibt (Apk 2,20)[91],
zwei denkbare Deutungsmöglichkeiten: (a) Die Prophetin EÉåæÜâåë und ihre Gefolgschaft haben
die âáèÝá
ôï™ óáôáíO erkannt und
festgestellt, daß es sich bei dem óáôáíOò um eine realiter nichtige bzw. nicht
existierende und machtlose Gestalt handelt, so daß eine durch die Beteiligung
an entsprechenden Veranstaltungen praktizierte kultisch-religiöse Verehrung
dessen keinerlei Gefahr für die eigene christliche Identität und den eigenen
christlichen Glauben darstellen konnte[92].
Ob es sich bei EÉåæÜâåë
und ihren Anhängern um Gnostiker oder um eine sich inhaltlich auf die spätere
Gnosis zubewegende Gruppe gehandelt hat[93],
muß angesichts der spärlichen Informationen, die Apk 2,22–24 bieten, zumindest
offen bleiben[94].
Durchaus angemessen scheint es aber, die ihnen von dem durch den Apokalyptiker
redenden Pñíßïí Christus
unterstellte Erkenntnis der âáèÝá ôï™
óáôáíO mit der von Paulus in 1Kor 8,4–6 formulierten theologischen
Erkenntnis der (soteriologischen) Nichtigkeit der heidnischen Gottheiten und
Götzen[95]
zu parallelisieren, die sich im praktischen Lebensvollzug in der Teilnahme an
Veranstaltungen im Rahmen der kultisch-religiösen Verehrung heidnischer
Gottheiten niederschlagen kann[96].
(b) Die Prophetin EÉåæÜâåë und ihre Gefolgschaft haben die âáèÝá ôï™
óáôáíO erkannt und maßen
dem Widersacher Gottes eine tatsächliche religiöse bzw.
soteriologische Bedeutung bei[97], die sie dazu führte, an
Veranstaltungen innerhalb der religiös-kultischen Verehrung des óáôáíOò teilzunehmen. Diese
Deutungsmöglichkeit ist allerdings angesichts der in ihr zu postulierenden
weitreichenden Transformation des christlichen Glaubens, der dann um den
Glauben an einen zweiten Heilsbringer neben dem Pñíßïí Christus zu ergänzen wäre,
unwahrscheinlich. Näherliegend ist die Annahme, daß die Prophetin EÉåæÜâåë und ihre Anhänger in der
christlichen Gemeinde in Thyateira in Rede und Tat die Ansicht vertreten haben,
daß eine Beteiligung an der Verehrung heidnischer Gottheiten aufgrund ihrer
tatsächlichen Nichtigkeit bzw. Nicht-Existenz und ihrer Bedeutungslosigkeit für
Christen durchaus zulässig sei.
Das Sendschreiben an die thyateirische Gemeinde schließt mit den stereotyp verwendeten Rahmenelementen „Überwinderspruch“ (Apk 2,26–28)[98] und „Weckruf“ (Apk 2,29)[99], wobei hier im Unterschied zum pergamenischen Sendschreiben (Apk 2,17) der Weckruf dem Überwinderspruch nicht vorausgeht, sondern auf diesen folgt[100]. Der íéê§í, der die Werke des Pñíßïí Christus bis zum Ende bewahrt[101], wird in gleicher Weise, wie auch das Pñíßïí